juli 2021

Gesprächsführung mit Kirsten Kleie und Dr. Caroline Sternberg
im museum fürstenfeldbruck zur ausstellung "frau darf.....100 jahre künstlerinnen an der akademie"
 
"Frau ist so frei....." - an der Oberfläche zu kratzen und visuelle Gewohnheiten zu hinterfragen 

Was sehen wir, wenn wir Bilder und Kunstwerke betrachten, die vor 100 Jahren entstanden sind? Welchen Sehgewohnheiten folgen wir? Es gibt visuelle Normierungen der Wahrnehmung, die wir kulturell geprägt bis heute in uns tragen. Kirsten Kleie und Caroline Sternberg hinterfragen ihre eigene Betrachtungsweise und kommen mit den Besucher*innen ins Gespräch. Können wir mit unseren Augen "lauschen", was die Arbeiten der Künstlerinnen noch erzählen? Von patriarchalen Herrschaftsstrukturen über die Rebellion bis zur Anpassungsleistung? "Frau darf..." - es braucht keine Erlaubnis mehr, wie vor 100 Jahren. "Frau ist so frei....."  - Was muss in uns in Bewegung kommen, um die unterschiedlichen Perspektiven gleichwertig zu sehen?

Kirsten Kleie ist freie Künstlerin und seit 2019 Lehrbeauftragte der Akademie der Bildenden Künste München
Dr. Caroline Sternberg ist Mitkuratorin der Ausstellung „Frau darf … 100 Jahre Künstlerinnen an der Akademie“ und leitet das Archiv der Akademie der Bildenden Künste München www.adbk.de/de/akademie/archiv-historisches.html

 

 

april 2021 - juli 2021

sehen als Suche - "Ich sehe was, was Du nicht siehst“

Was sehe ich? Welchen Standpunkt nehme ich ein? Woher speist sich der Blick? Was lenkt die Wahrnehmung? Wie beeinflussen die kulturell geprägten Geschlechteraugen die visuellen Eindrücke? Wie kann ich dem Einfluss des zentralperspektivischen Repräsentationssystems der abendländischen Tradition entrinnen? Kann ich auch anders sehen? Es existiert eine widersprüchliche Wechselbeziehung zwischen Wahrnehmung und Wissen. Jede Kultur hat ihr eigenes kollektives Gehirn. Die gesellschaftlich vermittelte Einstellung zu dem, was wir sehen, prägt die Art, wie wir es sehen und wie wir die Erscheinungen der Welt darstellen. Körperlichkeit, Individualität, Subjektivität, Bewusstsein, das Unbewusste und Sinnlichkeit ebenso. Wie können die Konzepte, die unserem Blick auf die Welt zugrunde liegen, durch künstlerische Prozesse transformiert und verändert werden? Im Seminar kratzen wir an der gewohnten Oberfläche und lassen uns überraschen, was dahinter zum Vorschein kommt. Die Auseinandersetzung findet im Gespräch anhand von ausgewählten künstlerischen Positionen und anhand eigener Arbeiten statt. Vorgaben und fertige Antworten gibt es nicht. Es ist eine gemeinsame Suchbewegung, welche eine Annäherung zum bewussten Aufnehmen von Welt anstrebt und den eigenen Standpunkt in Frage stellt.  

Eine Führung mit Dr. Caroline Sternberg vom Archiv der AdBK durch die Ausstellung „Frau darf...100 Jahre Künstlerinnen an der AdBK“ im Museum Fürstenfeldbruck ist vorgesehen.

 

oktober 2020 - februar 2021

fragen an die echokammer

Die Ausstellung „Fragen an die Echokammer“ blickt auf 100 Jahre Frauen an der Akademie der Bildenden Künste München, 1920 bis 2020. Im Rahmen des über drei Semester laufenden Seminars „KlasseMusterFrau“ setzten sich die Studierenden und die Lehrbeauftragte Kirsten Kleie mit visuellen Gewohnheiten, Gegebenheiten, Normierungen und geschlechtsspezi schen Zuschreibungen auseinander.

Die Ausstellung dient in erster Linie dazu, Fragen zu stellen:

Was will das Bild? Was sehe ich beim Betrachten überhaupt? Welche Bezüge möchte ich zur Vergangenheit herstellen? Was hat 1920 mit 2020 zu tun? Wie wird meine Arbeit von der Vergangenheit be- ein usst? Könnte ich meine Arbeit in dieser Form überhaupt machen, wenn es die Vorgänger*innen nicht gegeben hätte? Welche Relevanz hat die Frage nach dem „Bild der Frau“ überhaupt? Sexismus, Rassismus, Genderidenti- tät? Was hat das mit mir zu tun? Wo ist mein blinder Fleck? Perspektivwech- sel auf welchen Ebenen? Langweilt es mich, die abendländische Bildkultu in den Blick zu nehmen? Voyeurismus oder Freiraum? Kunst, Klischee oder Konsumgut? Wie kann ich Veränderungen herbeiführen? Welchen Beitrag möchte ich leisten? Welchen Austausch will ich überhaupt? Macht das Sinn? Fragen über Fragen. Keine Antwort nirgends.

Im Mittelpunkt stehen der Austausch zu oben gestellten Fragen und die Vernetzung von Gedanken und Positionen. Die ausgestellten Arbeiten befinden sich im Prozess der Entstehung. Zu sehen sind Skizzen, Fragmente, Übungen, Gemeinschaftsprodukte und Experimente.

 akademiegalerie: 12.1. bis 21.1.2021

 

April 2020 - Juli 2020

Projekt KlassenPost - PANDEMIC EDUKATION

Wie aber nun – ohne direkten Kontakt – mit Abstand intensiv kommunizieren? Visuelle Überflutung - einsam im Netz oder gemeinsame Kommunikation? KLASSENPOST– Inspiration beim Öffnen des Briefkastens. Augen- und Lesefutter erhalten, einverleiben, verdauen, verändern, selber zubereiten, weiterreichen, neu Anfangen. Gemeinsames denken in Schleifen. Weitergeben. Vernetzen. Bezüge herstellen. Anregung. Aktivierung. Gespräch über Bande. Warten. Das Vergehen von Zeit. Assoziationen. Etwas in der Hand halten.

Beeinflusst von „Mail Art“. Netzkunst ohne Netz. Kunst per Post. Die KLASSENPOST als Experiment. Wie geht - herrschaftsfreier Diskurs, subversive Praxis, nicht kommerzielle Verwertbarkeit, weg mit dem Geniekult und nur im Kollektiv?

 

Experiment:

„Ich sende Ihnen einen Gedanken zu. Bitte denken Sie ihn weiter!“. (Robert Rehfeld)

 

Laufzeit:

April 2020 – Juli 2020

Teilnehmende:

Anastasiia Batishcheva, Miriam Ferstl, Maximilian Gutmair, Sophia Hackel, Kirsten Kleie, Rebekka Kraft, Leander Leutzendorff, Salima Mansouri, Franziska Martin, Sibylle Oberschelp, Stephanie Rössing

 

Lehrbeauftragte: Kirsten Kleie

 Unterstützt durch:

Akademie der Bildenden Künste, München Deutsche Bundespost, Österreichische Post, Poste Italiane

 

Entstanden im Rahmen von:

„KlasseMusterFrau“

download Katalog klassenpost

 

 

oktober 2019 - februar 2020

 

„KlasseMusterFrau“ / Seminar

anlässlich „100 Jahre Öffnung der Akademie der Bildenden Künste für Frauen“

Seit 100 Jahren können Frauen ohne Beschränkung und offiziell an Kunstakademien studieren. An der Akademie der Bildenden Künste München wurden sie erstmals zum Wintersemester 1920/1921 zugelassen. Das Seminar „KlasseMusterFrau“ dient als Brutstätte, sich zur Vorbereitung für Herbst 2020 mit dem Thema „Ausbruch aus dem Blickdickicht“ zu beschäftigen.

Von welchem Ort aus schauen wir? Woher speist sich unser Blick? Wie beeinflussen die kulturell geprägten „Geschlechteraugen“ unsere visuellen Eindrücke? Finden wir überhaupt eine freie Lichtung im Unterholz des zentralperspektivischen Repräsentationssystems der abendländischen Tradition? Ausgehend von Albrecht Dürers Holzschnitt „Der Zeichner des liegenden Weibes“, also die Spaltung der Welt in Subjekt und Objekt, stellt sich die Frage, wie sich diese konstruierte Wahrnehmung auf die künstlerische Praxis, Wiedergabe und Rezeption auswirkt. Besonders in Bezug auf das Arbeiten als Künstlerin. Die Technik des Betrachtens wird in der westlichen Kultur bis heute durch die Vorgaben eines patriarchal geprägten Systems, die als „natürlich“ und „objektiv“ suggeriert werden, bestimmt. Hinter die mediale Bilderzeugung schleicht sich ein zentralperspektivischer Apparat, der jedoch bei der Betrachtung des Werks meist ausgeblendet wird. Ein direkter Zusammenhang zwischen optischem Apparat, Sehgewohnheit, Machtausübung und Geschlechterkonstruktion kann jedoch hergestellt werden. Wie kann ein Ausbruch aus dieser Ordnung gelingen, wenn wir diese als Norm im Kopf haben und ständig von diesem Konstrukt umgeben sind?

Im ersten Teil steht die Auseinandersetzung mit den visuellen Gewohnheiten durch die dualistisch geprägte Subjekt-/Objektwahrnehmung. Das Blickfeld erweitern werden künstlerische Positionen, Anregungen aus der Literatur und Gespräche.

Im zweiten Teil geht es um die Befragung des eigenen Blicks. Welche Muster und Strukturen finden sich in der eigenen künstlerischen Arbeit? Können wir unsere Wahrnehmung ent-definieren? Welche Auswirkungen hat dies auf die visuelle Kultur und auf die hinterlegten Geschlechterzuweisungen? Die Entwicklung von Blickkonzepten, die den Status quo hinterfragen, wird für ein Ausstellungsprojekt 2021 angestrebt.