April 2020 - Juli 2020 Projekt KlassenPost

 

PANDEMIC EDUKATION

Wie aber nun – ohne direkten Kontakt – mit Abstand intensiv kommunizieren? Visuelle Überflutung - einsam im Netz oder gemeinsame Kommunikation? KLASSENPOST– Inspiration beim Öffnen des Briefkastens. Augen- und Lesefutter erhalten, einverleiben, verdauen, verändern, selber zubereiten, weiterreichen, neu Anfangen. Gemeinsames denken in Schleifen. Weitergeben. Vernetzen. Bezüge herstellen. Anregung. Aktivierung. Gespräch über Bande. Warten. Das Vergehen von Zeit. Assoziationen. Etwas in der Hand halten.

Beeinflusst von „Mail Art“. Netzkunst ohne Netz. Kunst per Post. Die KLASSENPOST als Experiment. Wie geht - herrschaftsfreier Diskurs, subversive Praxis, nicht kommerzielle Verwertbarkeit, weg mit dem Geniekult und nur im Kollektiv?

 

Experiment:

„Ich sende Ihnen einen Gedanken zu. Bitte denken Sie ihn weiter!“. (Robert Rehfeld)

 

Laufzeit:

April 2020 – Juli 2020

 

Teilnehmende:

Anastasiia Batishcheva, Miriam Ferstl, Maximilian Gutmair, Sophia Hackel, Kirsten Kleie, Rebekka Kraft, Leander Leutzendorff, Salima Mansouri, Franziska Martin, Sibylle Oberschelp, Stephanie Rössing

 

Lehrbeauftragte: Kirsten Kleie

 

Unterstützt durch:

Akademie der Bildenden Künste, München Deutsche Bundespost, Österreichische Post, Poste Italiane

 

Entstanden im Rahmen von:

„KlasseMusterFrau“

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seit 2019

 

„KlasseMusterFrau“ / Seminar

anlässlich „100 Jahre Öffnung der Akademie der Bildenden Künste für Frauen“

 

Seit 100 Jahren können Frauen ohne Beschränkung und offiziell an Kunstakademien studieren. An der Akademie der Bildenden Künste München wurden sie erstmals zum Wintersemester 1920/1921 zugelassen. Das Seminar „KlasseMusterFrau“ dient als Brutstätte, sich zur Vorbereitung für Herbst 2020 mit dem Thema „Ausbruch aus dem Blickdickicht“ zu beschäftigen.

 

Von welchem Ort aus schauen wir? Woher speist sich unser Blick? Wie beeinflussen die kulturell geprägten „Geschlechteraugen“ unsere visuellen Eindrücke? Finden wir überhaupt eine freie Lichtung im Unterholz des zentralperspektivischen Repräsentationssystems der abendländischen Tradition? Ausgehend von Albrecht Dürers Holzschnitt „Der Zeichner des liegenden Weibes“, also die Spaltung der Welt in Subjekt und Objekt, stellt sich die Frage, wie sich diese konstruierte Wahrnehmung auf die künstlerische Praxis, Wiedergabe und Rezeption auswirkt. Besonders in Bezug auf das Arbeiten als Künstlerin. Die Technik des Betrachtens wird in der westlichen Kultur bis heute durch die Vorgaben eines patriarchal geprägten Systems, die als „natürlich“ und „objektiv“ suggeriert werden, bestimmt. Hinter die mediale Bilderzeugung schleicht sich ein zentralperspektivischer Apparat, der jedoch bei der Betrachtung des Werks meist ausgeblendet wird. Ein direkter Zusammenhang zwischen optischem Apparat, Sehgewohnheit, Machtausübung und Geschlechterkonstruktion kann jedoch hergestellt werden. Wie kann ein Ausbruch aus dieser Ordnung gelingen, wenn wir diese als Norm im Kopf haben und ständig von diesem Konstrukt umgeben sind?

 

Im ersten Teil steht die Auseinandersetzung mit den visuellen Gewohnheiten durch die dualistisch geprägte Subjekt-/Objektwahrnehmung. Das Blickfeld erweitern werden künstlerische Positionen, Anregungen aus der Literatur und Gespräche.

 

Im zweiten Teil geht es um die Befragung des eigenen Blicks. Welche Muster und Strukturen finden sich in der eigenen künstlerischen Arbeit? Können wir unsere Wahrnehmung ent-definieren? Welche Auswirkungen hat dies auf die visuelle Kultur und auf die hinterlegten Geschlechterzuweisungen? Die Entwicklung von Blickkonzepten, die den Status quo hinterfragen, wird für ein Ausstellungsprojekt 2021 angestrebt.